Frieden aus dem Topf

Der Demo-Gastronom Wam Kat liest und kocht für eine bessere Welt

Essen besänftigt die Menschen. Das antwortete Wam Kat dem 3sat-Magazin "Kulturzeit" mal auf die Frage, inwiefern Essen die Welt verändern könne. Er erwähnte ein Fest in Berlin, das er und seine Küchenkollegen bewirteten und wo die Polizei anrückte, nachdem sich Anwohner über den Lärm beschwert hatten. Für die Zeit des Essens, so Kat, habe die Polizei keinen Grund gesehen einzuschreiten, weil alles ruhig gewesen sei.

VON STEPHAN LOICHINGER, Frankfurter Rundschau, 19 august 2008

 

Die Antwort Wam Kats ist bemerkenswert, weil der 53-jährige Niederländer doch dadurch bekannt wurde, dass er und sein Kochkollektiv Rampenplan stets dort auftauchten, wo sich Menschen eben nicht ruhig verhielten, wo sich Menschen aufregten. Rampenplan bekochte Demos gegen nukleares Wettrüsten und die friedliche Nutzung von Atomenergie in den 80ern, und auch voriges Jahr beim G8-Gipfel in Heiligendamm rückten die Holländer mit ihren großen Kochtöpfen an.

Während der Jugoslawien-Kriege Anfang der 90er ging Wam Kat nach Sarajevo. Er half den dort durch die bosnisch-serbische Armee belagerten Einwohnern, sich selbst zu versorgen, indem er ihnen Samen für Tomaten und Kartoffeln mitbrachte. Die Bürger pflanzten das Gemüse auf ihren Balkonen, in zerschossenen Häusern und aufgerissenen Straßen an. Später half Kat mit, in Kroatien Flüchtlingslager einzurichten.

Keine Frage, der Mann hat eine Mission. Ziel ist eine bessere Welt, klar , in der unter anderem Lebensmittel nicht mehr tausende Kilometer zwischen Erzeuger und Verbraucher zurücklegen. Ganz konkret scheint Kat überzeugt, dass gutes Essen nicht nur besser schmeckt, sondern Menschen auch besser macht. "24 Rezepte zur kulinarischen Weltverbesserung" heißt sein Buch, das der Freiburger Verlag Orange Press jüngst veröffentlicht hat.

Darin stellt er vegetarische oder vegane Gerichte wie "Kleiner Punker" (Pommes, Pakora, Falafel), "Präkolumbus" (Buchweizenbrei mit allein europäischen Gemüsesorten), "Wendland Spezial" (Süßkartoffeln mit Fenchel und Bohnen) vor. Zwischendrin erzählt er aus seinem Leben, das von Anfang an wohl alternativ genannt werden muss.

Wam Kat wuchs auf als Sohn eines Künstlers, der nach 1945 mit seiner Frau die vormalige SS-Zentrale im niederländischen Zeist bewohnte – nicht nur mit den eigenen drei Kindern, sondern mit einer ganzen Schar quasi Adoptierter. Fleisch habe es nie gegeben, das sei zu teuer gewesen, berichtet Kat, der – sagt er – noch niemals Fleisch gegessen hat.

Es sind jene Geschichten von einem verwilderten "Gemüse-Nazi", einem Besuch an der Pommes-Bude mit den Sex Pistols, Anti-Castor-Demonstrationen im Wendland und dem Leben im albanischen Tirana am Ende des Kosovo-Kriegs, die aus Wam Kats Buch mehr als ein Kochbuch machen. Exkurse zu Lebensmittelproduktion und Selbstversorgung aus Abfallcontainern von Supermärkten "bereichern Wam Kats kulinarische Aufklärungsarbeit um eine ethische Dimension", schreibt sein Verlag.

Heute Abend kocht der Holländer, der seit Jahren in Belzig bei Berlin im Wald lebt und für Die Linke im Gemeindeparlament sitzt, im Maincafé für 50 bis 100 Gäste. Nebenher wird er von der "politischen Dimension des Kochens" berichten. Wer will, kann Wam Kat ab 18 Uhr beim Kochen helfen.

Wam Kat liest und kocht, 20.8., 18 Uhr

(Kochen) bzw. 19.30 Uhr (Essen), Main-

café, Frankfurt, Schaumainkai 50

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